- Kunstraum St. Marien

Statue des Hl. Johannes Nepomuk

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Im Jahre 1966 schenkte eine alte Neusser Familie der St. Marienpfarre aus ihrem Kunstbesitz drei alte Holzreliefs vom Ende des 15. Jahrhunderts und eine Holzfigur, damit sie in der Kirche zur Ehre Gottes und zur Erbauung der Gläubigen Verwendung fänden. Die Holzfigur stellt den hl. Johannes Nepomuk dar und ist das Werk eines unbekannten Meisters des beginnenden 18. Jahrhunderts. Die Figur stammt aus der Kirche des früheren Hospitals an der Brückstraße in Neuss und hängt im südlichen Querschiff an der Wand zur Sakristei.

Die Hospitalkirche, eine bei den Neussern der Altstadt, sehr beliebte Kirche, gehörte zum Kloster der Sepulchrinerinnen oder Chorfrauen vom heiligen Grab, einer Ordensgemeinschaft, die um 1480 als weiblicher Zweig der Chorherren vom Heiligen Grab entstand. Den ersten Sepulchrinerinnen-Konvent begründete der Odilienberger Chorherr Johann von Abrock in Maaseik in der heutigen belgischen Provinz Limburg. Die Schwestern leben in Klausur und widmen sich der Erziehung und dem Unterricht der meist weiblichen Jugend.

1654 erwarben Sepulchrinerinnen aus einem Kloster in Jülich mit Unterstützung der Neusser Jesuiten ein Grundstück zwischen Hymgasse und Brückstraße und errichteten dort bis 1680 einen kleinen geschlossenen Klosterkomplex mit Schule und Pensionat und eine dem hl. Johannes Nepomuk geweihten Kapelle. Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Kapelle durch einen Neubau ersetzt. Nach Auflösung des Konventes 1802 gingen die Gebäude in den Besitz der Stadt über, die 1806 das städtische Bürgerhospital –ehemals Gasthaus, im Volksmund „Jastes“ genannt - dorthin verlegte. Als 1911 das Hospital als Städtisches Krankenhaus in den Neubau an der Preußenstraße verlegt wurde, übernahm die Stadt die Gebäude und die Kirche für Verwaltungszwecke. Im Zweiten Weltkrieg legten Bomben das alte Sepulchrinerinnenkloster mit samt der Kirche und dem Hospital in Trümmern. Beim Bau des Omnibusbahnhofs wurden alle Spuren der Vergangenheit dieses alten Klosterareals ausgelöscht. Bei den jüngsten Ausgrabungen wurden nur noch die Fundamente dieses Klosterbezirks gefunden.

Beschreibung

Die überlebensgroße Holzfigur stellt den hl. Johannes Nepomuk dar in Priesterkleidung. Auf dem Kopf trägt er ein Birett mit vier Hörnern, über dem Talar ein Rochett, ein weißes, hemdartiges Gewand, das mit Spitzen an den Ärmeln und am unteren Rand versehen ist. Es ist Teil seiner Amtskleidung. Darüber trägt er eine Mozetta. Die Kleidung ist bis in die Falten des Gewandes mit einer erstaunlichen Genauigkeit durchgearbeitet. Mit innigem Blick schaut er auf ein Kruzifix, das er mit beiden Händen schräg vor seiner Brust hält.

Johannes aus Pomuk, ne Pomuk - wie der Ort heute heißt -, wurde nach Studien der Theologie in Prag und des kanonischen Rechts in Padua 1372 Notar in der erz-bischöflichen Gerichts-Kanzlei in Prag und später Domherr und Generalvikar des Erzbischofs in Prag. Sein energisches Auftreten für die Rechte der Kirche gegenüber dem König und seine Predigten machten ihn beim Volk berühmt und dem König lästig. 1380 wurde er zum Priester geweiht und Pfarrer an der Galluskirche in Prag, wo er sich besonders um deutschstämmige Kaufleute bemühte. 1389 wurde er Generalvikar der Diözese Prag. Die Auseinandersetzungen mit Wenzel IV., König von Böhmen und Deutschland und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, nahmen zu.
Die Überlieferung berichtet, dass die Königin Johannes zu ihrem Beichtvater wählte. Wenzel wollte nun Johannes zwingen, das Beichtgeheimnis zu brechen. Aber der weigerte sich, wurde deshalb gefoltert und in die Moldau geworfen. Durch ein Wunder - nach der einen Version trocknete die Moldau aus, so dass man seine Leiche fand, nach einer anderen Version hatte die Königin eine Erscheinung von fünf Sternen, die den Fundort offenbarten - wurde der Tote geborgen und beigesetzt. Eine Marmorplatte an der Karlsbrücke zeigt heute den angeblichen Fundort.
Historisch richtiger ist, dass Johannes in den Auseinandersetzungen zwischen König Wenzel und dem Prager Erzbischof Jenzenstein am 20. März 1393 gefangen genommen, gefoltert, vom König selbst mit Pechfackeln gebrannt, durch die Straßen geschleift und dann in der Moldau ertränkt wurde.
Johannes' Leichnam wurde im Veitsdom in Prag bestattet und schon bald als Märtyrer verehrt; 1719 fand man bei der Öffnung des Grabes Gebeine und Zunge unversehrt. Sein Denkmal auf der Prager Karlsbrücke, das 1693 errichtet wurde, machte ihn zu einem der wichtigsten Brückenheiligen. Brückenheilige sind Heilige, denen der Schutz der Brücke und deren Benutzer anvertraut wurde. Entsprechend der Bedeutung von Brücken wurden diese in katholischen Gebieten verschiedenen Heiligen geweiht. Mit Beginn des 18. Jahrhunderts wurden Brücken mit plastischen Figuren ihrer Heiligen versehen. Seit der Heiligsprechung des Nepomuk durch Papst Benedikt XIII. im Jahre 1729 ist dieser der häufigste Brückenheilige.
In Folge erlangte Johannes von Nepomuk eine ungeheure Popularität bei allen Bevölkerungsschichten und drängte im 18. Jahrhundert den böhmischen Nationalheiligen Wenzel in den Hintergrund. Auch in den anderen Ländern der Habsburgermonarchie entstand ein reger Nepomukkult. Obwohl nicht offiziell als solcher installiert, kann Nepomuk für die Zeit des Barock als »Staatsheiliger« des gesamten Habsburgerreiches gelten. Mit den habsburgisch-kaiserlichen Truppen, die in der zweiten Hälfte des Dreißigjährigen Krieges auch im Westen des Reiches Krieg führten, verbreitete sich der Nepomukkult auch im Kurfürstentum Köln. Im 18. Jahrhundert war Kurfürst Clemens August ein besonderer Förderer dieses Kultes, den er aus seiner Heimat Bayern kannte. Dies erklärt auch die Verehrung des hl. Nepomuk bei den Sepulchrinerinnen.

Bedeutung
Joannes Nepomuk gilt als Heiliger des heiligen Schweigens, der den Martyrertod erlitt, weil er das Beichtgeheimnis wahrte und ist somit Mahner in unserer geschwätzigen Zeit. Er ist Patron von Böhmen, der Stadt Salzburg, der Beichtväter, Priester, Schiffer, Flößer, Müller, der Brücken, des Beichtgeheimnisses, gegen Wassergefahren und für Verschwiegenheit.
Er wird fast immer mit einem Kruzifix oder einer Märtyrerpalme und einem Kranz von 5 Sternen dargestellt. Diese umstrahlten den Leichnam bei der Auffindung und werden oft als die 5 Buchstaben des lateinischen Wortes TACUI "ich habe geschwiegen" gedeutet. Häufig hält er auch den Finger an den Mund.

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