- Kunstraum St. Marien

Maria in der Heilsgeschichte - Arkadenwandgemälde von Peter Hecker

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Geschichte: Beim Wiederaufbau der ursprünglich neugotischen Marienkirche nach dem Zweiten Weltkrieg wurde nach den Plänen des Kölner Dombaumeisters Willy Weires der Hochchor durch eine Arkadenwand abgetrennt und damit in der Apsis eine neue Marienkapelle mit der Kopie der Chorpfeilermadonna des Kölner Domes und den das Marienleben wiedergebenden Fenstern von Walter Benner geschaffen. Oberhalb der dreibogigen Arkadenwand entstand eine große überwölbte Wandfläche. In der zweiten Phase der Erneuerung hat im Jahre 1959 der damals schon 75jährige Kölner Kirchenmaler Peter Hecker diese Fläche mit einem Monumentalgemälde ausgefüllt, das als Fresko gemalt wurde. Peter Hecker war in Neuss und in der Marienpfarre kein Unbekannter. Denn 1934 hatte er das Altarbild in der St. Barbara - Kirche geschaffen, das den Zweiten Weltkrieg fast unversehrt überstanden hatte.

Beschreibung: Als Thema für sein Monumentalgemälde hatte Hecker „Marias Stellung in der Heilsgeschichte“ gewählt: Entsprechend ihrer zentralen Stellung in der Heilsgeschichte stellte Hecker auch hier Maria in das Zentrum des Bildes, umflossen von den pfingstlichen Feuerflammen des über ihr in Gestalt einer Taube schwebenden Heiligen Geistes, der bei der Verkündigung ihren heilsgeschichtlichen Weg eröffnet hat: „Der Heilige Geist wird über dich kommen und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten“ (Lk 1,35).
Gemäß Marias Berufung in den göttlichen Heilsplan der Erlösung steht neben ihr der Prophet Isaias („Siehe die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären“ (Mt 1,23). Auf der gegenüberliegenden Seite stellt Hecker die Heilige Familie auf der Flucht nach Ägypten vor dem wütenden König Herodes auf seinem Thron dar gemäß dem Wort des Propheten Hosea (11,1): „Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen“ (Mt 1,15). Zu Füßen Maria stellt Hecker die Werkzeuge der Erlösung: Krippe und Kreuz und den Satan in seiner Ohnmacht.
Wie Maria bei der Verkündigung mit ihrem Jawort: „Ich bin die Magd des Herrn. Mir geschehe wie du gesagt hast“ (Lk 1,38) den göttlichen Erlösungsplan ermöglicht hat, kann sie auch im leidenden Mitvollzug des Kreuzestodes ihres Sohnes den Menschen die Gnade der Erlösung vermitteln. Daher streckt sie den Menschen ihre Hände entgegen.
Zwei Engel, die sich vom leuchtenden Blau abheben, stehen neben Maria, ganz in der Verzückung und Anbetung des Heiligen Geistes versunken. Mit ihren emporgehobenen Flügeln und den Feuerrädern zu ihren Füßen sind sie Symbole für die Wesen der Engelsvision beim Propheten Ezechiel.
Da auch die Apostel Zeugen der Erlösung waren, hat Hecker sie gleichsam als Fundament der sichtbaren Kirche in den unteren Teil des Gemäldes platziert, nur als Gesicht ohne Körper dargestellt, geprägt von der Zeugenschaft der Erlösung, dem Schauen der Herrlichkeit Gottes und von Christus mit dem Amt beauftragt, „Zeugen bis an die Grenzen der Erde“ (Apg.1,8) zu sein.
Die freien Flächen des Bildgrundes hat Hecker mit weißgrauen Ornamenten ausgefüllt, die acht Anrufungen aus der Lauretanischen Litanei enthalten, die Marias Rolle in der Heilsgeschichte bezeichnen:

Sedes sapientiae - Du Sitz der Weisheit
Foederis arca - Du Bundeslade
Stella matutina - Du Morgenstern
Rosa mystica - Du geheimnisvolle Rose
Speculum iustitiae - Du Spiegel der Gerechtigkeit
Causa nostrae laetitiae - Du Ursache unserer Freude
Domus aurea - Du Goldenes Haus
Turris eburnea - Du Elfenbeinerner Turm

Christus ist auf dem Bild nicht dargestellt, obwohl alles auf ihn hinweist. Er ist auf dem unter dem Bild stehenden Altar gegenwärtig, und im Vollzug der Eucharistie offenbart er den Menschen tagtäglich neu seine Gnade.
Die unter dem rechten Engel schwebende Gestalt, die ihr Gesicht mit den Händen verhüllt, ist eine demütige Selbstdarstellung des Künstlers Peter Hecker. Darüber hinaus hat Peter Hecker rechts unten das Bild signiert und eine besondere Datierung hinterlassen in Form des Wappens von Kardinal Frings, Sohn und Ehrenbürger der Stadt Neuss.

Deutung: Bei der Verkündigung nennt der Engel Maria die „Begnadete“ und sagt zu ihr: „Der Herr ist mit dir…Du hast bei Gott Gnade gefunden“ (Lk 1,28). Marias Ja zur Menschwerdung ist somit der Beginn des Erlösungsgeschehens. Daher stellt Peter Hecker mit diesem Monumentalbild Maria als die Vermittlerin von Gnade und Erlösung für die Menschen dar. Gleichzeitig ist Maria hier auch Bild für die Kirche, die auf dem Fundament der Apostel ruht, die die christliche Offenbarung empfangen und weitergegeben haben.