- Kunstraum St. Marien

Kreuztragender Christus

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Im Jahre 1928 ließ Dechant Karl Brucherseifer (1911-1933) einen unbenutzten Kapellenraum an der Ostseite des nördlichen Querschiffes (jetzt Fatima-Kapelle) zu einer Kriegergedächtniskapelle für die im Ersten Weltkrieg Gefallenen der Pfarrei ausbauen. Während der Altar der Kapelle mit der ergreifenden Pieta von Hein Minkenberg geschmückt war, wurde über der steinernen Eingangspforte das ebenfalls von Hein Minkenberg geschaffene Relief „Kreuztragender Christus“ angebracht. Obwohl die Marienkirche im Zweiten Weltkrieg bis auf die Außenmauern völlig zerstört war, konnten aus den Trümmern sowohl die Pieta als auch das Relief fast unbeschädigt geborgen werden.

Hein Minkenberg, 1889 in Heinsberg geboren, absolvierte von 1902 bis 1905 eine Lehre bei einem Bildschnitzer in Heinsberg, arbeitete nach seiner Hochzeit (1916) im Steinmetzbetrieb seines Bruders Gerhard in Mönchengladbach-Rheindahlen, später in Maastricht, wo ab 1922 seine ersten Arbeiten in Holz, Ton und Stein entstanden, darunter auch 1924 die Pieta. 1928 wurde er Professor an der Kunstgewerbeschule in Aachen, bis er 1934 als „entarteter“ Künstler entlassen wurde. Im gleichen Jahr zog er mit seiner Familie nach Büttgen. Die Neusser Unternehmerfamilie Werhahn überließ ihm in einer leerstehenden Villa in Neuss an der Brückstraße zwei Räume als Atelier, das 1943 bei einem Fliegerangriff ausbrannte. 1947 kehrte Minkenberg nach Büttgen zurück, bis er 1952 in sein neues Atelier in Neuss an der Steinhausstraße zog, das er bis zu seinem Tod am 12. November 1968 nutzte. Nachdem schon Prälat Brucherseifer Werke Minkenbergs angeschafft hatte, setzte dies sein Freund Prälat Colling fort. Daher findet man in der Marienkirche viele Werke dieses begnadeten Künstlers, der aus einem tief religiösen Empfinden arbeitete:
  • Pieta (1924)
  • Relief des kreuztragenden Christus (1928)
  • Altar, bestehend aus den vier Evangelistensymbolen als Stütze (1936/37)
  • Taufstein (1939)
  • Entwürfe für das Hauptportal (1949)
  • Kreuzweg (1951)
  • Maria Goretti-Reliquiar (1958)
  • Tabernakel (1958)
  • Figur des hl. Petrus (1960)
  • Figur des hl. Paulus (1960)

Lange lag das Relief unbeachtet in einem Turmwinkel, bis Pastor Gabriel Zander die beschädigten Stellen restaurieren und das Relief 1987 wieder in der Marienkirche aufstellen ließ. Es wurde mit einem gleich rotfarbigen Sandstein eingefasst und in der Westwand des Mittelschiffes neben der Turmhalle eingelassen. So kann es die Blicke aller Gläubigen, die die Kirche verlassen, auf sich ziehen.

Minkenberg hat aus einem roten Sandsteinblock die zusammengeduckte Gestalt des kreuztragenden Christus herausgehauen. Das Thema „Du hast die Sünd’ der Welt getragen“ hat er in überzeugender Weise erarbeitet, und er konnte in dieses Relief dieselbe innere Beseelung und auch den gleichen monumentalen Charakter hineinbringen, wie es ihm bei der Pieta gelungen ist.

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