- Kunstraum St. Marien

Holzrelief des heiligen Nikolaus

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Im Jahre 1966 schenkte eine alte Neusser Familie der St. Marienpfarre aus ihrem Kunstbesitz drei alte Holzreliefs vom Ende des 15. Jahrhunderts. Zur Ehre Gottes und zur Erbauung der Gläubigen wurden diese kostbaren Schnitzwerke an den hölzernen Ambos angebracht. Sie stellen dar:
• den heiligen Nikolaus als Bischof,
• den heiligen Jakobus als Pilger mit Muschel, Pilgerstab, Hut und Mantel
• den heiligen Judas Thaddäus (Dieses Relief ist gestohlen worden.)

Beschreibung

Der heilige Nikolaus ist dargestellt als Bischof mit Mitra und langem Bischofsmantel. In der rechten Hand hält er ein Buch, auf dem drei Kugeln liegen. Die linke Hand, die einmal einen Bischofsstab hielt, ist abgebrochen. Der Bischofsstab ist in der Sakristei.

Der historische Nikolaus wurde nach späteren Berichten zwischen 270/280 in Patara, einer Stadt in Kleinasien geboren und mit 19 Jahren von seinem Onkel, ebenfalls mit Namen Nikolaus und Bischof in Myra in Kleinasien, zum Priester geweiht. Zunächst Abt eines Kloster Sion wirkte er in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts als griechischer Bischof von Myra (Lykien) in Kleinasien, das damals Teil des Römischen und später des Byzantinisches Reiches war. Während der Christenverfolgung um 310 soll er gefangen und gefoltert worden sein. Als Sohn reicher Eltern soll er sein Erbe an die Armen verteilt haben. Nach seinem Tod wurde er in Myra begraben. Vor der Eroberung dieser Stadt 1187 durch seldschukische Truppen haben süditalienische Kaufleute die Gebeine aus der Grabstätte des Heiligen geraubt und damit gerettet. Sie überführten sie nach Bari (Basilika San Nicolo), wo am 9. Mai (Ankunft der Schiffe) sein Fest groß gefeiert wird.

Der heilige Nikolaus ist Nationalheiliger in Russland, Kroatien, Serbien und Lothringen und gilt als Schutzpatron der Seefahrer, Kaufleute, Ministranten und Kinder.

Bedeutung

Um das Leben des heiligen Nikolaus ranken sich viele Legenden. Seine Darstellung mit den drei Kugeln auf dem Buch geht auf folgende Legende zurück: Ein verarmter Mann wollte seine drei Töchter als Prostituierte arbeiten lassen, weil er sie mangels Mitgift nicht standesgemäß verheiraten konnte. Nikolaus, noch nicht Bischof, aber durch sein Erbe reich geworden, erfuhr von dieser Notlage und warf in drei aufeinanderfolgenden Nächten jeweils einen großen Goldklumpen in das Zimmer der drei Jungfrauen. In der dritten Nacht gelang es dem Vater, ihn zu entdecken, ihn nach seinem Namen zu fragen und ihm dafür zu danken, dass nun die Mitgift für jede der Töchter gesichert war.

Nach Deutschland kam der Nikolauskult im 10. Jahrhundert durch Theophanu, der byzantinischen Frau von Kaiser Otto II. Ihr Sohn Otto III. gründete das Nikolaus-Benediktinerkloster Burscheid, ihr Schwiegersohn Ezzo 1030 das Nikolauskloster Brauweiler. Diese lothringische Adelsfamilie der Ezzonen förderte so die Ausbreitung des Nikolauskultus im Rheinland. Auch in Neuss gab es eine Nikolauskapelle, die bis zur ihrer Zerstörung 1586 am Nordrand des Münsters (heute Vogthaus) stand. Auch ihr Bau war offensichtlich von der Ezzonenfamilie veranlasst. Denn von den sieben Töchtern und drei Söhnen standen sechs Töchter vornehmen Klöstern und Stiften vor und der älteste Sohn Hermann war von 1036 bis 1056 Erzbischof von Köln. Auf seine Fürsprache hin schenkte Kaiser Heinrich III dem Neusser Quirinuskloster 1043 Reichsgut bei Boppard. Eine Tochter Ezzos, Heylwig, war bis zu ihrem Tod 1076 Äbtissin des Neusser St. Quirinusklosters. Die Neusser Nikolausbruderschaft, eine Vereinigung von Kaufleuten, wählte die Nikolauskapelle 1426 als „statio“, die später auf den Nikolai - Altar im Quirinus - Münster übertragen wurde.

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