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Wir wollen zu Land ausfahren ...

... dachten sich fünfzig unternehmungslustige kfd-Frauen und starteten zu früher Stunde rheinabwärts Richtung Emmerich. Pastor Korfmacher, der uns begleitete, spendete den Reisesegen, und es erklang das Lied „Lobt froh den Herrn…“. Spontan folgte ein Glückwunschständchen für unseren Präses. Er hatte an diesem Tag Geburtstag.

Bei herrlichem Wetter trafen wir nach zwei Stunden in Hochelten ein. Die Gästeführerin, in hübscher historischer Tracht, begrüßte uns und führte uns in die nahegelegene Kirche: Eine dreischiffige romanische Basilika, ein gewaltiges Bauwerk von 64 Metern Länge, dem Heiligen Vitus, einem der vierzehn Nothelfer, geweiht. Sie steht auf dem höchsten Punkt des Ortes, einem in der Eiszeit entstandenen 82 Meter hohen Hügel, der eine Besonderheit in dieser flachen Region darstellt. Im Laufe ihrer über 1000-jährigen Geschichte erlebte die Kirche viele Zerstörungen und Wiederaufbauten. An der Nord- und Südseite waren Wohnungen und Gemeinschaftsräume für ein Damenstift des Hochadels angegliedert. Die Aufnahme war an strenge Anforderungen gebunden: Nur wer über acht Generationen väterlicher- wie mütterlicherseits „blaues Blut“ nachweisen konnte, durfte eintreten.

Durch das „Steintor“, gebildet von zwei hohen Säulen, ging es weiter zum Aussichtspunkt Eltenberg. Von hier hatten wir einen beeindruckenden Blick ins weitläufige Rheintal. Ein Steinwurf entfernt befindet sich der sagenumwobene Drususbrunnen: mit einer Tiefe von 57 Metern versorgte er bereits vor 1000 Jahren die Stiftsdamen und Einwohner mit Wasser.

Zum Mittagstisch fanden wir uns im Kolpinghaus ein. Es war wohltuend, ein wenig zu verschnaufen - nach der zweistündigen Führung und den vielen Eindrücken. Nächstes Ziel waren die Probat Werke, eine Fabrik für Kaffee-Röstmaschinen im Stadtteil Gimborn. Unter anderem konnten wir den handbetriebenen Kugelröster der Anfangszeit bestaunen. Im Jahr 1870 entwickelt war er bereits um 1900 über 50 000 Mal verkauft worden. Heute werden elektronisch gesteuerte Röstanlagen produziert. Mit großem Erfolg und einem Weltmarktanteil von 57 %. Plastisch ausgedrückt: Von zehn Tassen Kaffee, die weltweit getrunken wer
den, wird der Kaffee für sieben Tassen auf einer Anlage der Probat-Werke geröstet.

Der Bus brachte uns anschließend ins Zentrum von Emmerich. Im Museum für Kaffeetechnik wurden wir anschaulich über die Kaffeewelt vergangener Tage informiert. Nach viel Theorie durften wir uns schließlich auch an einem „Tässchen“ dieses edlen Getränkes erfreuen.

Zum letzten Programmpunkt schlüpfte unsere Führerin in Klompen. So hatten wir sie auch „im Ohr“, als sie beim folgenden Rundgang humorvoll die Bedeutung von Sprichwörtern und Redewendungen aus der guten alten Zeit vortrug. Wir erfuhren, dass Emmerich die Geburtsstadt des beliebten Operettenkomponisten Eduard Künneke ist. – Doch auch Schweres bekamen die Bewohner von Emmerich im 2. Weltkrieg hart zu spüren. Die günstige Lage am Rhein und die wirtschaftliche Bedeutung als Grenz- und Hansestadt führten dazu, dass die Stadt durch ein fürchterliches Bombardement zu 97 % zerstört wurde. Binnen 45 Minuten verloren über 600 Menschen ihr Leben und 17 000 ihre Habe.

Ermüdet, aber erfreut am Anblick der wunderschönen Rheinpromenade, gingen wir vor der Heimfahrt in ein italienisches Restaurant. Hier war - kurioserweise - eine „Niederrheinische Kaffeetafel“ für uns vorbereitet.

Damit ging ein ereignisreicher und interessanter Tag zu Ende. Fern vom Alltag konnten wir entspannen und viele neue Eindrücke mit nach Hause zu nehmen.

Heidi Lorenz

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