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Warum Ochs und Esel mehr sind als ein Affenzirkus

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Unser Webmaster und Pfarrgemeinderatsmitglied Thomas Kaumanns hat in diesem Jahr die Weihnachtsbotschaft im Neusser Stadt-Kurier verfasst. Seinen Text geben wir auf st-marien-neuss.de wieder:

Hand aufs Herz! Wie geht es Ihnen? Sind Sie in diesem Jahr in der richtigen Stimmung, um ausgelassen Weihnachten zu feiern? Schmeckt Ihnen die Weihnachtsgans, während Millionen Menschen auf der Flucht sind, kein Dach über dem Kopf und nicht das Nötigste zum Leben haben? Oder in überfüllten Turnhallen hausen müssen? Können Sie fröhlich zum Familientreffen gehen, während in Frankreich Dutzende Familien um ihre Angehörigen trauern, die Mitte November einem Terroranschlag zum Opfer gefallen sind? Können Sie guten Gewissens am warmen Kamin sitzen und den Duft des Tannenbaums genießen, während unsere Soldaten in Syrien gegen den sogenannten Islamischen Staat kämpfen? Von der Eurokrise, die zwar fast in Vergessenheit geraten, aber noch lange nicht bewältigt ist, wollen wir gar nicht erst sprechen.

Ist unser Weihnachten 2015 angesichts der vielen Probleme und Krisen in der Welt nur eine Show? „Eine Scharade, ein Affenzirkus“, wie Papst Franziskus gesagt haben soll? Dürfen wir im Jahr 2015 Weihnachten feiern?

Wenn Weihnachten mehr ist als gutes Essen, ein heimeliges Familientreffen oder der Duft von Tannenzweigen, dann dürfen wir es nicht nur, sondern dann müssen wir es! Ich sage sogar: Weihnachten zu feiern ist in diesen Tagen so notwendig wie selten!

An Weihnachten feiern wir mit Millionen Christen auf der ganzen Welt, dass Gott seinen Sohn Jesus Christus zu uns auf die Erde gesendet hat. Der Zerrissenheit der Welt stellt er bewusst ein kleines Kind entgegen, das unsere Herzen gewinnen will. „Gott ist die Liebe“, hat Papst Benedikt XVI. einmal ein wichtiges Schreiben übertitelt. An Weihnachten wird Gott Mensch, um die Liebe Gottes unter den Menschen zu verbreiten. Um unter uns zu wirken und für uns da zu sein. Und um am Ende die ganze Menschheit zu erlösen.

Jesus kam nicht als König in die Welt, sondern als Kind in einem Stall, wehrlos und ohnmächtig. Er erschien nicht zuerst den Mächtigen in ihren Palästen, sondern den Hirten auf dem Felde, den Armen jener Zeit. Und er wurde nicht von Anfang an verehrt, sondern musste schon als kleines Kind fliehen, weil der machtbesessene König Herodes ihm nach dem Leben trachtete. Deswegen ist die Krippe, die wir in unseren Wohnzimmern aufstellen, nicht nur Dekoration, sind Ochs und Esel im Stall mehr als ein Affenzirkus. Aus ihnen spricht die Botschaft, dass Gott zu allen Menschen ja sagt. Auch zu den Armen, Alten und Kranken, auch zu den Ausgeschlossenen, Verfolgten und Notleidenden. Vom ersten Tag an nimmt er uns Menschen an, so wie wir sind.

Seit Jahrhunderten setzen sich Menschen dafür ein, die Botschaft der Menschwerdung und Liebe Gottes weiterzutragen. Nicht allein in wohlklingenden Predigten in unseren Kirchen, sondern in guten Taten, in Werken der Nächstenliebe: Christen kümmern sich in Hilfsorganisationen wie Caritas oder Diakonie um benachteiligte Menschen, etwa um Arme oder um Flüchtlinge. Und weltweit bemühen sie sich darum, die Bedingungen in Krisenländern zu verbessern, und treten für Frieden und Völkerverständigung ein.

Auch in unserer Stadt gibt es viele gute Beispiele, wie Christen sich für ihre Mitmenschen einsetzen:

Etwa das Hospiz der Augustinerinnen, wo Schwerstkranke in den letzten Tagen ihres Lebens liebevoll umsorgt werden. Oder die Suppenküche der Alexianerbrüder, wo Obdachlose und arme Menschen kostenlos ein warmes Mittagessen bekommen. Und die Besuchsdienste der Kirchengemeinden, die kranken, alten und einsamen Menschen eine Freude machen. Oder die Jugendzentren Haus der Jugend, Kontakt Erfttal oder Treff 3, alle in kirchlicher Trägerschaft, wo Kinder und Jugendliche die Sorgen des Alltags vergessen können und in ihrem Aufwachsen begleitet werden. Und beispielsweise auch das Kolping-Bildungswerk, wo benachteiligte junge Menschen für einen Beruf fit gemacht werden.

Viele weitere Beispiele könnte ich nennen, in denen die Botschaft des Weihnachtsfestes für alle Menschen sichtbar und lebendig wird. Übrigens auch für diejenigen, die selber nicht an Gott glauben.

Können Sie sich eine Welt ohne das alles vorstellen? Wahrscheinlich genauso wenig, wie Sie sich einen 24. Dezember ohne Weihnachtsfeier unter dem Tannenbaum vorstellen können! Deswegen: Feiern Sie! Jetzt erst recht! Feiern Sie, dass Gottes Liebe größer ist als alle Katastrophen und alles Leid!

Allen Leserinnen und Lesern des Stadt-Kuriers wünsche ich von ganzem Herzen frohe und gesegnete Weihnachten!