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Tagesausflug der kfd ins Münsterland

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Die Einladung zum diesjährigen Tagesausflug der kfd St. Marien lag schon lange auf unseren Tischen. Am 22. Juli endlich starteten 70 Mitglieder und einige Gäste, warm angezogen bei Hochsommertemperaturen von 14° C und bewappnet mit Schirmen, ins Münsterland. 

Nach der Begrüßung durch Herrn Pastor Korfmacher und Frau Schlangen, nach einem Lied aus dem Gotteslob und nach wichtigen Hinweisen zum Verlauf der Fahrt hatten wir erst einmal Zeit zum Erzählen, zum Hinausschauen, saßen doch die meisten im Obergeschoss des Busses und hatten eine gute Weitsicht.

Wir querten den Rhein, die Ruhr und die Lippe. Das Land wurde weit, nur vereinzelt sah man versteckte Höfe mitten in Baumgruppen. Blühende Kartoffeläcker, viele Mais- und Kornfelder erzählten, wovon die Menschen hier leben. Saftige Weiden mit Kuh- oder Schafherden wechselten mit Feldern und Wäldern ab. 

Nach etwa eineinhalb Stunden erreichten wir in Stadtlohn unser erstes Ziel: eine Töpferei. Während die erste Gruppe die Führung mitmachte, besuchte die zweite Gruppe ein Geschäft mit ausgesuchtem Porzellan, wertvollem Glas, Steingut, oder auch mit Ledersachen und vielen Geschenkartikeln. Vom Töpfer erfuhren wir, dass er die Rohmasse aus dem Kannebäcker Ländchen im Westerwald bezieht, weil die Qualität viel besser ist und sich auch besser verarbeiten lässt. In zwei Behältern wird die Tonmasse nacheinander von Maschinen gerührt und für die weitere Verarbeitung vorbereitet. Eine Maschine braucht eine Stunde Zeit für die gleiche Menge, für die früher ein Arbeiter eine Woche benötigten. 
Im zweiten Raum stand die Dreh- oder Töpferscheibe. Leider konnte uns niemand die Arbeit demonstrieren, weil der zuständige Mitarbeiter in Urlaub war. Es wurde uns nur mündlich erläutert, wie schwierig es ist, die Tonmasse auf dem Mittelpunkt der Drehscheibe zu halten. Viel Fingerspitzengefühl und Übung sind erforderlich für diesen Beruf. „Übung macht den Meister“. fiel uns dazu nur ein. 
Im dritten Raum arbeiteten zwei „Ritzerinnen“. Die eine verzierte einen großen Krug mit einem Eulenbaum, die andere ritze mit einem Messerchen bestellte Muster in eine große Anzahl hoher Becher. 
Im vierten Raum standen die Brennöfen, die von Hand mit Hilfe von Stapelkötzchen mit Brenngut bis obenhin bestückt werden. Sie werden auf höchste Temperaturen vorgeheizt (1400-1500 Grad). Durch Herunterfahren der Flammen wird Sauerstoff entzogen. Durch Zugabe von einem Eimer Salz entsteht Nebel, wodurch sich das Salz in kristalliner Form absetzt. Das Brenngut wird nun fertig gebrannt. Die Stapelkötzchen sind zweckentfremdet als Fußbodenbelag begehrt, der Generationen überdauern kann. Besonders werden sie von Holländern nachgefragt. Bewundern konnten wir Töpfe für Zwiebeln, Kartoffeln, Brot, Schmalz, Sauerkraut, Rumtöpfe Blumenübertöpfe, Schalen, Krüge und Ziergegenstände. Ob verziert oder glatt, ob bunt oder zweitfarbig, ein wunderschönes Handwerk wurde uns gezeigt.

Anschließen fuhren wir zum Mittagessen ins Land-Gut-Hotel Ritter in Stadtlohn-Bühren, wo wir fürstlich bedient wurden, wo es allen gut schmeckte, wo alle mehr als zufrieden waren: ein Mittagessen fast wie zu Omas Zeit: Salatteller, Rinder- und Schweinebraten, Putenschnitzelchen, leckere Soße, Salzkartoffeln, Erbsen und Möhren in Sauce Hollandaise, Moccacreme, Vanilleeis und heiße Kirschen.

Vor der Tür warteten nun 3 Planwagen. Schnell waren die Plätze eingenommen. Eine Flasche Kischlikör gratis machte die Runde, eine zweite schloss sich an. Alte Volkslieder wurden gesungen, Neusser Kirmeslieder tönten durchs Land. Auch Sologesänge fanden großen Anklang. So verging die Zeit schnell mit Singen, Lachen und Fröhlichsein.

Der eigentlich vorgesehene Besuch der Glockengießerei fiel ferienbedingt aus, dafür besichtigten wir eine Holzschuhmacherei in Legden. In einem Familienbetrieb von 1828 wurde uns ein altes münsterländisches Handwerk Schritt für Schritt gezeigt. Eine dicke Scheibe Pappelholz - früher auch von Weide oder Birke - wurde entrindet und in 11-12 Stücke zerteilt. Zwei Stücke wurden in eine Maschine eingespannt, an der seitlich ein Modell aus Kunststoff befestigt war. Ein Rad fuhr das Modell ab, übertrug die Form des Modells auf die Holzklötze und arbeitete so die äußere Form des Holzschuhs aus. 
In einer zweiten Maschine wurden mit zwei „Löffeln“ nach einem weiteren Modell die beiden Schuhe ausgehöhlt und das Fußbett eingearbeitet. Frühere stundenlange Handarbeit erledigt die Maschine schnell und erstellt 30 Paar Klotschen in einer Stunde. Danach erfolgte der Feinschliff, ehe das Schuhwerk zum Trocknen weggestellt wurde. Der Schuhmacher zeigte uns an einem schon getrockneten Schuh, wie er die Oberfläche außen an einem Schmirgelband glatt schliff - der Schönheit wegen - und innen mit einem Kegel, damit die Strümpfe nicht aufreißen. Der innere Schliff ist ein „Muss“! Spitze und Kante wurden nun ausgebürstet. Somit war der Schuh fertig. Ein Lederstreifen kann als Halterung angebracht werden oder ein Lederbesatz um die Einschlüpfkante. 
Die Holzschuhe gibt es in den Größen 21 – 49, sie halten die Füße durch 2 cm dicke Sohlen schön warm, sind als Gartenschuhe zu empfehlen und werden vor allem bei der „Klompenkirmes“ z.B. in Korschenbroich getragen. Im Verkaufsraum gab es neben den kleinen bis großen Holzschuhen auch zweckentfremdete Exemplare: Klotschen als Spardosen, als Flaschenhalter, Buntstifthalter, Vogelhäuschen und Schlüsselanhänger.

Nach kleinen Käufen stiegen wir wieder in unsere Planwagen und fuhren zurück zum Landgut, wo Kaffee und Kuchen auf uns warteten. Etwas Zeit blieb uns noch für einen kleinen Spaziergang bei eitlem Sonnenschein oder für den Besuch einer Fleischerei. Bevor wir die Heimreise antraten, wurden wir mit Arbeit - Briefe zu Hause austragen - eingedeckt, die wir nach einem so gelungenen Tag gerne verrichten werden. Wir danken dem Vorstand, dem Vorbereitungsteam für diesen schönen Tag in der Gemeinschaft und wünschen uns weiterhin so viel Zulauf zu den Veranstaltungen der kfd. Der Schirm war heute unser Begleiter, geöffnet haben wir ihn nicht.

Ellen Gilliam

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