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Händels „Messias“ mit großer Besetzung

NGZ online, 9.11.2007
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Eine Hochzeit hatte die beiden Musiker zusammengeführt. Und seit Stefan Palm und Hans-Michael Dücker sich bei dieser Gelegenheit in der Marienkirche über den Weg gelaufen sind, arbeiten sie auch öfter zusammen. Der Kantor von St. Marien begleitet auf der Orgel, und der Leiter des Jungen Chors aus Kaarst dirigiert - so morgen bei der Aufführung von Mozarts Messe c-Moll in der Kaarster Kirche St. Martinus und in etwas anderer Aufteilung bei einem Klassiker besonderen Kalibers in St. Marien; Händels Werk „Der Messias“. Dann allerdings liegt die komplette Leitung des Konzerts in Palms Händen.

Für die Aufführung des Oratoriums, an dessen Bekannt- und Beliebtheit kaum ein anderes heranreicht, hat sich Palm für seinen Marienchor indes viel namhafte Verstärkung geholt. Auf der Chorebene eben den Jungen Chor Kaarst, bei den Solisten die Sopranistin Irmelin Sloman, die Altistin Christine Wehler, den Tenor und Rektor der Kölner Musikhochschule, Josef Protschka, und den Bass Christian Palm (nicht verwandt mit Stefan Palm). Das „Messias“-Orchester besteht aus Mitgliedern des WDR-Sinfonie-Orchesters, der Düsseldorfer Symphoniker (samt ihrem Konzertmeister Florian Meierott) und des Sinfonieorchesters der Stadt Aachen.

Dass so viele hochkarätige Kräfte zusammengebracht werden konnten, liegt vor allem an den guten Kontakten, die Stefan Palm - selbst ein gefragter Organist - in den vergangenen Jahren knüpfen konnte. Auch wenn er das ganz bescheiden mit einem „Man kennt halt ein paar Kollegen“, abtun möchte. Seit Januar dieses Jahres nimmt „Der Messias“ den größten Teil der wöchentlichen Proben des Marienchors ein. „Wir haben die Probenzeit sogar um eine halbe Stunde verlängert“, erzählt Heribert Welter, Vorsitzender des Marienchors, „eineinhalb Stunden gehören dem Messias, eine Stunde den liturgischen Musikbeiträgen“.Nur wenige in dem Chor dürften nämlich schon dabei gewesen sein, als das Händelsche Werk zuletzt in St. Marien aufgeführt wurde - genau 30 Jahre ist das jetzt her, „zum 75-jährigen Bestehen des Marienchors“, wie Welter genau weiß.

Für die Einstudierung haben sich Palm und sein Chor für eine Mixtur aus verschiedenen Übersetzungen entschieden. Händel hatte das dreiteilige Oratorium 1742 geschrieben, uraufgeführt wurde es damals in Dublin. „Aber die englische Sprache passt nicht sehr gut zur Musik“, befindet Palm und hat für seine Version aus mehreren deutschen Übersetzungen eine Neufassung gemacht. Bislang hat jedes Musiker-Modul für sich allein geprobt; ab kommenden Donnerstag wird dann alles peu à peu zusammengeführt, damit die Aufführung am Samstag wie ein Ganzes wirkt. Der Erlös des Konzerts - nach Abzug der Kosten - geht in die Kasse für die Renovierung der Orgel von St. Marien.