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Fast meinte man, den Himmel offen zu sehen

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Der Blick zur Kirchendecke lag nahe: Fast erwartete man nach der fulminanten Interpretation von Messiaens „Dieu parmi nous“ aus dem Weihnachtszyklus durch Stefan Palm den Himmel offen zu sehen, die Durchdringung göttlicher und menschlicher Sphäre auch sichtbar zu erleben.
Dabei war das Konzert des Kantors von St.Marien zunächst einmal die Vorstellung der aufwendig restaurierten Klais-Orgel, wobei zugleich die Klangcharakteristik des neu eingebauten Registers „Vox coelestis“ - so auch der Titel des Konzertes - im Vordergrund stand.

Die „himmlische Stimme“ tut ihre Wirkung, ebenso die vielfältigen Möglichkeiten zur Vereinfachung spieltechnischer Abläufe. Und das Ganze klingt gut, passt sich optimal in die heikle Akustik der Marienkirche ein. Das Glanzvoll-Klangliche kommt zu seinem Recht, und auch das bisher nie so gehörte Geheimnisvoll-Schwebende eines impressionistisch süßen Timbres. Bei all dem wird der sonst oft störend lange Nachhall sogar als wirkungsvolles Transportmedium eingesetzt. Wahrlich, da haben die Orgelbauer ganze Arbeit geleistet!

Der große zeitliche wie finanzielle Aufwand hat sich hörbar ausgezahlt. Nun ist Stefan Palm aber kein technikverliebter Autist an der Orgel, sein Spiel will nicht blenden, vielmehr kommunizieren. War’s also ein Wunder, dass besonders das kammermusikalisch aufgefasste Trio von J.S.Bach BWV 655 und Boellmanns „Prière à Notre Dame“ aus op.25, aber auch das eingangs erwähnte Werk Messiaens die Hörerschaft besonders ansprachen?

Auch Max Regers Toccata und Fuge D-Dur op.59 mit ihrer spannungsreichen Lautstärke-Steigerung sowie die drei exquisiten Brahms-Choräle konnten rundum gefallen. Allenfalls die Registerwahl für C.Francks „Choral a-moll“ beim Einsatz des ersten Themas war unglücklich, eher verschleiernd als transparent.

Dass Johann Sebastian Bachs viel gespielte Fantasie und Fuge g-moll BWV 542 eine glanzvolle, aus Klang und Konstruktion gespeiste Konzerteröffnung geboten hatten, in der technische Schwierigkeiten ebenso zurücktraten wie jedweder interpretatorische Bombast, spricht für die Orgel und ihren Spieler.

So darf sich also nicht nur ein interessiertes Konzertpublikum über den erneuerten Klang und die Möglichkeiten der Orgel in der katholischen Marienkirche freuen, sondern vor allem auch eine Gemeinde, die „Gott gibt, was Gottes ist“ - das Beste.